Eine Szene aus LAX. Eine Nahaufnahme von Jerron, ein Schwarzer Mann,  der bäuchlings auf einem Boden liegt und direkt in die Kamera schaut. Der Oberkörper ist leicht gehoben und einen Arm so angewinkelt, dass die Hand nahe am Gesicht ist.
Eine Szene aus LAX. Jerron tanzt in einem weißen Kostüm. Der Körper ist zur Seite geneigt, der Blick über die Schulter. Hinter ihm sitzt Publikum auf einer Bank und schaut ihm zu.
Ein Foto von Jerron. Er steht erhöht auf einem großen, mit Stoff bedeckten Objekt vor einem hohen Fensterbogen in einem holzgetäfelten Raum.  Ein transparenter, bodenlanger Stoff fällt von den Schultern der Person herab.

LAX

Jerron Hermann

Die Athletik der Ruhe ist keine Abwesenheit von Kraft, sondern ein diszipliniertes Innehalten, das ebenso viel Übung verlangt wie Bewegung. Innerhalb der Ausstellung Self-Portrait as a Pregnant Woman von Teresa Solar Abboud im Kunstverein Hannover, erforscht der US-amerikanische Tänzer und Choreograf Jerron Herman in seiner Solo-Performance LAX die Qualitäten von Ruhe. Zwischen Kontrolle und Loslassen wird Ruhe selbst zum Tanz, der sich gegen Leistungsdruck und gegen Ableismus widerständig zeigt.

In den ausgestellten Arbeiten geht Teresa Solar Abboud dem endlosen Kreislauf des Lebens nach. Eine ihrer Installation besteht aus fünf großen roten Formen, die an Kanus und zugleich an menschliche Beinknochen erinnern. Der Titel Osteoclast bezieht sich auf Knochenzellen, die Gewebe abbauen und erneuern – ein biologischer Kreislauf aus Zerstörung und Regeneration. Abboud übersetzt diesen Prozess skulptural und als Metapher für Körper, die sich selbst verwandeln und neu formen.

LAX ist eine „site-responsive choreography“, die die Objekte der Ausstellung und den Raum des Kunstverein Hannover aktiv mit einbezieht. Der Dialog zwischen Herman und Abboud löst die skulpturale Starre des Ausstellungsraums auf und verwandelt Innehalten in Fluss, Verletzlichkeit in Stärke.

 

Jerron Herman ist ein US-amerikanischer Künstler, der in seinen Arbeiten Bilder von Freiheit und Selbstbestimmung entwirft. Seine Performances und Installationen wurden u. a. im Whitney Museum, Danspace Project, Metropolitan Museum of Art und Guggenheim Museum gezeigt. Neben seiner künstlerischen Praxis ist er als Autor, Kurator und Botschafter tätig. Er ist Mitglied des Kollektivs INTERIM, das sich für die Sichtbarkeit behinderter Künstler*innen einsetzt, und wurde mit der USA Fellowship 2024 sowie dem NYU Center for Ballet and the Arts Fellowship 2023–24 ausgezeichnet.

 

Audioflyer (auf Englisch)


Angaben zur Produktion

Creator und Darsteller: Jerron Herman, Musik und Text von Jerron Herman, Kostüme und Textilien: Sugandha Gupta, Produziert von Interim Corporation, Fotos: (1 + 2) Coe Sweet, (3) Liz Ligon

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