Eine Szene aus LAX. Eine Nahaufnahme von Jerron, ein Schwarzer Mann,  der bäuchlings auf einem Boden liegt und direkt in die Kamera schaut. Der Oberkörper ist leicht gehoben und einen Arm so angewinkelt, dass die Hand nahe am Gesicht ist.
Christopher atmet tief ein, schließt die Augen und berührt mit seiner rechten Hand sein drittes Auge, wodurch er eine Längsebene markiert. Sein linker Arm zeichnet einen Kreis in der Querfläche. Er trägt ein schwarzes T-Shirt, das seine Arme freilegt, die mit mehreren Tätowierungen verziert sind.
Nahaufnahme von Jerron, einem Schwarzen Mann, dessen Hände sein Gesicht umrahmen.

LAX

Jerron Herman

Die Athletik der Ruhe ist keine Abwesenheit von Kraft, sondern ein diszipliniertes Innehalten, das ebenso viel Übung verlangt wie Bewegung. Innerhalb der Ausstellung Self-Portrait as a Pregnant Woman von Teresa Solar Abboud im Kunstverein Hannover, erforscht der US-amerikanische Tänzer und Choreograf Jerron Herman in seiner Solo-Performance LAX die Qualitäten von Ruhe. Zwischen Kontrolle und Loslassen wird Ruhe selbst zum Tanz, der sich gegen Leistungsdruck und gegen Ableismus widerständig zeigt.

In den ausgestellten Arbeiten geht Teresa Solar Abboud dem endlosen Kreislauf des Lebens nach. Eine ihrer Installation besteht aus fünf großen roten Formen, die an Kanus und zugleich an menschliche Beinknochen erinnern. Der Titel Osteoclast bezieht sich auf Knochenzellen, die Gewebe abbauen und erneuern – ein biologischer Kreislauf aus Zerstörung und Regeneration. Abboud übersetzt diesen Prozess skulptural und als Metapher für Körper, die sich selbst verwandeln und neu formen.

LAX ist eine „site-responsive choreography“, die die Objekte der Ausstellung und den Raum des Kunstverein Hannover aktiv mit einbezieht. Der Dialog zwischen Herman und Abboud löst die skulpturale Starre des Ausstellungsraums auf und verwandelt Innehalten in Fluss, Verletzlichkeit in Stärke

UPDATE: Aufgrund einer Verletzung wird LAX von Jerron Herman gemeinsam mit dem Künstler Christopher „Unpezverde“ Núñez aufgeführt.
 

Jerron Herman ist ein US-amerikanischer Künstler, der in seinen Arbeiten Bilder von Freiheit und Selbstbestimmung entwirft. Seine Performances und Installationen wurden u. a. im Whitney Museum, Danspace Project, Metropolitan Museum of Art und Guggenheim Museum gezeigt. Neben seiner künstlerischen Praxis ist er als Autor, Kurator und Botschafter tätig. Er ist Mitglied des Kollektivs INTERIM, das sich für die Sichtbarkeit behinderter Künstler*innen einsetzt, und wurde mit der USA Fellowship 2024 sowie dem NYU Center for Ballet and the Arts Fellowship 2023–24 ausgezeichnet.

Christopher „Unpezverde“ Núñez ist ein für den BESSIE Award nominierter Choreograf, der sich aus sensorischer Perspektive mit Bewegung und räumlichen Beziehungen sowie mit Themen wie Behinderung, Einwanderung, Indigenität und Barrierefreiheit beschäftigt. Der aus Costa Rica stammende und in New York lebende Künstler ist für seine „Vortex“-Methodik bekannt, die auf Achsen und Ebenen basiert und die propriozeptive Wahrnehmung der Atmung – die Fähigkeit des Körpers, seine eigene Position, Bewegung und Spannung wahrzunehmen, ohne hinsehen zu müssen –  sowie Bioelektrizität als Auslöser für Körperbewegungen nutzt. Derzeit arbeitet Núñez an seinem neuen Auftragswerk für die Axis Dance Company, das 2026 im Lincoln Center in New York uraufgeführt werden soll.

Audioflyer (auf Englisch)


Angaben zur Produktion

Creator: Jerron Herman, Performance: Christopher "Unpezverde" Núñez, Musik und Text von Jerron Herman, Kostüme und Textilien: Sugandha Gupta, Produziert von Interim Corporation, Fotos: (1) Coe Sweet, (2) Walter Wlodarczyk, (3) Melody Melamed

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